Liebe Leserinnen und Leser!
Auf dieser Seite finden Sie Texte, die Sie einladen möchten, für einen kurzen Augenblick hier zu verweilen.
Stellen Sie sich vor, Sie sind in ein virtuelles Café reingegangen, nur "auf ein Wort", es dauert nicht lange.
Viel Vergnügen dabei!
Wahrheit und Liebe
Auf der Suche nach Worten, die annähernd beschreiben, „was Gott ist“, kommt uns zuerst der Begriff „Liebe“ in den Sinn: Gott ist die Liebe. In dem für menschliches Denken und Fühlen unüberbietbaren Begriff der Liebe verstehen wir den absoluten Bezugspunkt unserer Sehnsucht und unserer Suche nach letztem Sinn – über alles Einengende hinaus und jenseits aller Grenzen.
Der Glaube an die Liebe, die Liebe selbst, kann nicht ohne eine Person, die sie sucht und zu dieser Liebe imstande wäre, gedacht werden. Gott ist der absolute Bezugspunkt aller Liebe (und aller Wahrheit), der „personale (Ur-)Grund“ eines Vertrauens, das uns selbst die Fähigkeit schenkt zu lieben – weil wir zuvor vorbehaltlos gewollt und gemeint sind.
Wahrheit und Liebe gehören zusammen. Was wäre die Liebe ohne die Wahrheit und Wahrheit ohne Liebe? 1 Kor 13,2 ist ganz wörtlich zu verstehen: „Wüsste ich alle Geheimnisse und besäße ich alle Erkenntnis, doch hätte ich die Liebe nicht, wäre ich ein Nichts.“
Manfred Reichgeld (19.08.10)
Neue Hoffnung finden
Jesus hat den Menschen seiner Zeit (und jeder Zeit) einen Gott nahe bringen wollen, der alle Schuld vergibt, der von aller Angst und allen Zweifeln befreit und uns anbietet, in gleicher Weise einander zu begegnen – vorbehaltlos und in unbedingtem Vertrauen.
Das ist sozusagen der Weg zurück an den Ort, den die Sprache der Bibel das „Paradies“ nennt, wo alle Widersprüche und Abhängigkeiten aufgehoben sind und wo die Liebe den Hass überwindet und das Licht die Finsternis.
Es ereignete sich immer wieder, dass Menschen in der Nähe Jesu Vertrauen und neue Hoffnung fanden: Der Blinde, der heil wurde an Leib und Seele, und die Vielen, die auf Jesu Wort hin lernten, durch die Dunkelheit hindurch mehr an die Sterne zu glauben als an die Nacht.
Jesus wollte Angst und Hoffnungslosigkeit nicht gelten lassen, nicht die Einsamkeit und nicht das, was Menschen einengt und niederdrückt. Er redete dagegen, indem er davon sprach, dass Gott uns in allem vorbehaltlos und ohne unser Dazutun liebt – und dass wir nicht allein sind auf unserem Weg durch die Zeit.
Manfred Reichgeld (20.06.10)
In der Liebe wachsen
Zu allen Zeiten haben sich Menschen gefragt: Wie kann ich am besten Gott dienen? Welcher Weg ist der richtige und wie gehe ich mit den Hindernissen um, die sich mir in den Weg stellen? Entfernen wir uns nicht in dem Maße von Gott, wie wir uns im täglichen Leben in Familie und Beruf dem Kind, der Frau, dem Bruder, der Mutter, ..., uns selbst zuwenden?
Es gibt eine sehr schöne und durch die Rede und das Tun Jesu bezeugte Antwort auf diese Fragen: Stellen wir uns einen in den Sand gemalten Kreis vor: Die Mitte ist Gott, die Kreislinie die Welt. Dort leben die Menschen. Wollen sie Gott näher kommen, müssen sie in das Innere des Kreises gehen. Und sie erfahren: Je näher sie Gott kommen, desto näher rücken sie zusammen, und je näher sie einander kommen, desto näher sind sie bei Gott.
Vor Gott zählt allein die Art der Menschlichkeit, die Blinde sehen und Lahme gehen lässt (Jes 35, 5.6) – es zählt, ob wir handeln, statt reden, andere mitnehmen und teilen, ob es uns gelingt, die leeren Worte mit Leben zu füllen und in der Liebe zu wachsen.
Manfred Reichgeld (31. Mai 2010)
Vertrauen
So wie das Kind Mutter und Vater vertraut und in ihrer Zuneigung und Liebe den wichtigsten Halt erlebt, so erfahren wir allein in der Haltung des Vertrauens mehr und mehr Zuversicht und eigene Freiheit. Umgekehrt: Ohne Vertrauen würde sich alles in und um uns in nicht endende Angst und Hoffnungslosigkeit verwandeln.
Auf der Suche nach dem (Ur-)Grund unseres Vertrauens finden wir in der Botschaft Jesu den Halt, der uns „über Berge und Täler“ trägt, den Sinn allen Lebens, den Grund unserer Hoffnung, den Jesus Gott nennt und den er als seinen und unseren Vater bezeichnet.
Gott, den Urgrund allen Vertrauens, finden... verändert: durchbricht den Zwang, alles richtig machen zu müssen, anerkannt zu werden und in scheinbarer Sicherheit zu wissen, wo es langgeht... „Gott vertrauen“ bringt uns gleichsam vor uns selbst und befreit von den Krämpfen und Vergeblichkeiten, die uns lähmen.
Das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit scheint dem Denken und Empfinden des Menschen wesenseigen zu sein. Ohne sie je (ganz) zu erreichen: am nächsten kommen wir dieser Sicherheit/Sehnsucht, wenn wir dem Grund unseres Seins vertrauen - dem Gott des Lebens und der Liebe.
Manfred Reichgeld (17. Mai 2010)
Sehnsucht
Exupéry erzählt, wie an einem Herbsttag eine Gruppe von Hausgänsen, die niemals etwas anderes in ihrem Leben gesehen haben als ihren Stall, den Fresstrog und den Weg zum Weiher, über sich eine Kette von Wildgänsen sehen. In diesem Moment begibt sich etwas Wunderbares: die Tiere beginnen, mit den Flügeln zu schlagen, so als wollten sie es ihren frei lebenden Artgenossen gleichtun. In ihren kleinen Köpfen erwacht für einen Augenblick das Bild von Wäldern, Gebirgen, Meeren – und die Sehnsucht, unendlich ins Weite zu fliegen nach geheimen Bahnen und Routen zurück in das Land der Heimat, aus dem sie gekommen sind.
Es ist nur eine Frage der Fantasie, diese kleine Geschichte von den Gänsen auf menschliches Leben zu übertragen – wenn wir von Freiheit, Träumen und Visionen sprechen und von dem, was wir glaubend und hoffend jenseits von Raum und Zeit erwarten. - Jesus sagt: Zur Freiheit seid ihr berufen. Lasst euch nicht wieder unter das knechtische Jochen fangen. Geht dem wahren Bild eures Selbst nach und vertraut der ewigen Liebe, die euch ins Dasein rief und diesen Ruf niemals mehr zurücknimmt. Ihr seid auf dem Weg in das „Land der Heimat“, in das ich vorausgegangen bin und in dem auch ihr sein werdet.
Manfred Reichgeld(26.04.10)
Türen öffnen
Im Johannes-Evangelium (10,1-10) sagt Jesus: „Ich bin die Tür. Wer durch diese Tür zu den Schafen geht, der ist der Hirt der Schafe.“
Es gibt viele Türen und Tore, durch die wir in unserem Leben gehen: Zimmertüren, Haustüren, Kirchenportale – Türen, die sich schwer öffnen lassen und höher und größer sind als andere. – Durch die Haustür gehen wir ein und aus. Da ist der Tisch gedeckt... Hier stand unsere Kinderwiege... Hierhin kehren wir immer wieder zurück. Wir können Türen verschließen und zuschlagen, aber auch aufstoßen und offen halten... Türen bieten Schutz und Ruhe, verwehren den fremden Blick, und manchmal wollen sie auch erzwungen werden – wie in den Märchen unserer Kindertage.
In Joh 10,10 sagt Jesus: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Diese Einladung, nicht „draußen vor der Tür“ zu bleiben, gibt uns gleichsam den Schlüssel in die Hand, den Weg gelingenden Lebens zu finden und nicht zuletzt vor verschlossenen Türen zu stehen. Wenn es uns Mal um Mal gelingt, in der Liebe zu wachsen, öffnen sich die Türen zu uns selbst und zu den Menschen.
Jesus ist die Tür, die uns auf den Weg bringt. Ihm vertrauen wir, wenn er uns anbietet: Wer durch mich hineingeht, findet die Wahrheit und das Leben.
Manfred Reichgeld (09.04.10)
Der persönliche Gott
Wenn man gelegentlich hört: Wir alle glauben doch an den selben Gott, so ist dies nicht (ganz) zutreffend. Es ist ein Unterschied, sich Gott als ein unbestimmtes, unbekanntes, verschlossenes, stummes, unzugängliches „Es“ vorzustellen, oder, wie es im christlichen Glauben geschieht, von einem „persönlichen Gott“ zu sprechen.
Zur Person des Menschen gehören Freiheit, Selbstsein, „Ich“-sagen-Können, Geist, Liebe, ... Gott kann nicht unter diesem Niveau des Menschen gedacht werden, er ist „nicht weniger Person als wir, er ist Person in einem unendlich höheren Maße“ (W. Kasper).
Wenn sich Menschen (als Person) mitteilen, bekunden, offenbaren, ... so geschieht dies nicht um ihrer selbst willen, sondern immer auf ein Du orientiert und mit der Absicht, durch andere Menschen angenommen zu werden. Dieses Annehmen nennen wir „Glaube“. Ich glaube dir, ich glaube an dich, an das, was du (mir) sagst und mitteilst... Dieser Glaube ist etwas zutiefst Menschliches, ohne den ein Zusammenleben gar nicht möglich wäre...
Daraus ergibt sich: Der menschliche Glaube an die Offenbarung Gottes ist nicht etwas Unwirkliches, sondern entspricht geradezu unserer (täglichen) Erfahrung. – „Ich glaube dir nicht, ich glaube dir nichts, ...“ dagegen ist eine Geringschätzung der Person, eine nicht überbietbare Absage und Distanz, die in allem der menschlichen Natur entgegen steht – vor allem dem, was wir Liebe nennen.
Manfred Reichgeld (19. 03. 2010)
Erklärungen
Wie begann alles... und wie war es am Anfang? Wer kennt diese Fragen nicht und nicht die unterschiedlichen Antworten? Glaube und Wissenschaft bieten je andere Perspektiven in ihrem Blick auf die Wirklichkeit, ohne dass wir uns zugleich für das eine und gegen das andere entscheiden müssten.
Wir glauben, dass das, was uns unzugänglich bleibt und rätselhaft erscheinen mag, die belebte und die unbelebte Welt um uns, nicht zufällig entstanden ist. Der Gott, an den wir glauben, ist der Schöpfer des Himmels und der Erde, der nie endende Anfang allen Lebens, Alpha und Omega.
In der „Physik des Lichts“ kennen wir zwei sich (scheinbar) gegenseitig ausschließende Erklärungsmodelle: das Wellen- und das Teilchenmodell. Beide Eigenschaften – das Licht als Teilchen und das Licht als Welle – sind je spezifisch nachzuweisen, und mit ihnen können je spezifische Phänomene des Lichts erklärt werden, die das andere Modell nicht erklären kann. – Ist das nicht ein „kleiner Hinweis“, dass (zugleich) viel mehr wahr und wirklich ist als allein das, was wir mit unseren Augen sehen und mit den Händen fassen können?
Deum credere – glauben, dass ER Gott ist ... der Gott der Liebe und der Urgrund allen Seins. Das kann die Wissenschaft nicht erklären – und doch ist es wahr und wirklich.
Manfred Reichgeld (01. März 2010)
Auf dem Weg – wohin?
Wir glauben, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen und wie sie geworden ist, den zureichenden Grund nicht in sich selbst hat, sondern auf einen tieferen Grund verweist, der aus sich lebt und existiert: Gott.
Als Menschen sind wir in allem endliche Wesen – bedroht, abhängig und zuletzt unausweichlich dem Tod verfallen. Zugleich meldet sich in uns die Sehnsucht und die Hoffnung nach dem Unbedingten und dem Absoluten, nach dem Licht in der Finsternis – wie es die Bibel nennt. Wenn wir je und dann entdecken, wie in einem geliebten Menschen alles neu werden kann, ahnen wir, wohin wir glaubend und hoffend unterwegs sind.
Allein in Gottes unbegreifliche Wirklichkeit ist ein unbedingtes Vertrauen in den Sinn des Lebens möglich. Er ist die Antwort auf unsere Nöte und Ängste und die Ungesichertheit unsers Daseins, wenn sich zuletzt unausweichlich die Frage stellt: Wer bin ich; wo finde ich Sinn und Halt?
Am deutlichsten hat der Gott, an den wir glauben, sein inneres Geheimnis offenbart in und durch Jesus, den er nicht im Tod belässt und dem wir vertrauen, wenn er uns auf seinen Weg einlädt: „Wo ich bin, da werdet auch ihr sein.“
Manfred Reichgeld (17. Febr. 2010)
Allein die Liebe
Es sind die Augenblicke des Ergriffenseins, die ein Leben bestimmen. Er gibt das Ergriffensein durch den Schmerz, durch das Schöne, ..., durch die Liebe. Aus den Märchen unserer Kindertage wissen wir, dass einzig die Liebe die Kraft besitzt, glücklich und frei zu machen. Sie vermag uns über Berge und Meere zu tragen „in ein jenseitiges Land voller Zauber und Träume“.
In seinem 1. Brief an die Korinther schreibt der Apostel Paulus: „Die Liebe ist langmütig, gütig, nicht eifersüchtig, sie ist nicht unanständig und sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, übersteht alles. Die Liebe hört nie auf...“ (1 Kor 13,4-7).
Die Liebe als der Grund und der Ursprung allen Seins lässt uns leben. Sie ist die Kraftquelle, die uns durchfließt und uns zu dem erhebt, wozu wir selbst niemals imstande wären. Und doch ist die Liebe unendlich mehr als nur eine Kraft. In und über allem steht jemand, der auf uns mit jener unüberbietbaren Energie zu wirken vermag, die wir „Liebe“ nennen: Gott. Diese Liebe trägt uns über Berge und Meere und zuletzt in ein jenseitiges Land voller Zauber und (dann erfüllter) Träume.
„Wüsste ich alle Geheimnisse und besäße ich alle Erkenntnis, doch hätte ich die Liebe nicht, wäre ich ein Nichts“ (1 Kor 13,2).
Manfred Reichgeld (27. Januar 2010)
