Liebe Leserinnen und Leser!
Auf dieser Seite finden Sie Texte, die Sie einladen möchten,
für einen kurzen Augenblick hier zu verweilen.
Stellen Sie sich vor,
Sie sind in ein virtuelles Café reingegangen,
nur "auf ein Wort",
es dauert nicht lange.
Viel Vergnügen dabei!
Weihnachten
„Ein großes Licht ist heute auf Erden erschienen. Kommt, ihr Völker, und betet an den Herrn, unseren Gott.“ ... Das Unfassbare ist wahr: Gott kommt auf unsere Erde, um selber ihr Licht zu sein. – Das Kind in der Krippe ist das Licht des universalen Friedens, der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und das Abbild seines Wesens (Hebr 1,3)... „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 12,9).
Für die Hirten in Bethlehem und für uns ist es die Botschaft des Engels: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter, der Heiland geboren; er ist der Messias, der Herr. Von dieser Hoffnung leben wir: Da ist jemand, der die Finsternis in und um uns erhellt, zugeschlagene Türen öffnet und heil macht, was unserer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit entgegen steht.
Die Weihnachtsgeschichte erzählt, dass die Weisen auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurückkehrten. Wer das Licht von Bethlehem gesehen hat, das menschliche Antlitz Gottes, kann nicht auf dem Weg bleiben, auf dem er gekommen ist.
Wenn es uns ein wenig und immer mehr gelingt, das empfangene Licht weiterzugeben, dann verwirklicht sich hier und über Zeit und Raum hinaus: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12).
Manfred Reichgeld (21.12.11)
Licht in der Dunkelheit
„Als Jesus mit seinen Jüngern von Jericho aufbrach, saß ein blinder Bettler am Weg. Und als er hörte, es sei Jesus, fing er an zu schreien: Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner...“ (Mk 10, 46-52).
Es ist die letzte Wunderheilung Jesu auf dem Weg nach Jerusalem, bevor sich dort verwirklicht, was dem Glaubenden Ostern zur endgültigen Gewissheit wird. – Unter den Umstehenden ist der Blinde der eigentlich Sehende. In Jesus erkennt er den Grund sein Hoffnung. Den, den andere nur äußerlich wahrnehmen, erfährt er als Licht und Perspektive in der ihn umgebenden (inneren und äußeren) Dunkelheit.
Daneben erscheint die Frage zweitrangig, ob wir eine solche Wunderheilung in unsere Wirklichkeit noch einbeziehen können. Tatsächlich gibt es Sehende, die nicht sehen, während der vermeintlich Blinde das Eigentliche, die innere Wirklichkeit zu erkennen vermag.
Die Geschichte geht weiter: „Da sprach Jesus zu ihm: Geh, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich konnte er wieder sehen und folgte ihm auf dem Weg.“
Manfred Reichgeld (24.11.11)
Den Himmel offen sehen
Im 17. Kapitel des Matthäus-Evangeliums wird erzählt, dass Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mitnahm auf einen hohen Berg. „Da warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören“ (Mt 17, 4,5).
Auf einem Berg ist man dem Himmel näher. Das haben Petrus, Jakobus und Johannes erlebt. Für einen Augenblick haben sie den Himmel offen gesehen; Gott selbst spricht zu ihnen. Hier wollen sie bleiben und dazugehören – das muss das Paradies sein.
Einmal – auch nur für einen kurzen Moment – in den offenen Himmel schauen, wie die Jünger Gottes Stimme hören und sehen, was er für uns bereit hält... Wäre das nicht die Erfüllung unserer Sehnsucht?
Gottes Stimme verweist die Jünger auf Jesus, auf ihn sollen sie hören. Auch wenn sie den Berg hinabsteigend jetzt in eine andere Wirklichkeit zurückkehren, haben sie gesehen, was sie einmal erwartet – für immer bei Gott zu sein, in seinem Licht und in seiner Liebe.
(Manfred Reichgeld 17.10.11)
Das Gleichnis vom Senfkorn
Ich möchte Sie bitten, sich gedanklich auf die folgende Situation einzulassen: Da spricht Sie jemand an: „Darf ich Ihnen etwas Schönes geben? Halten Sie bitte die Hand auf.“ Sie zögern vielleicht... und dann liegt in Ihrer offenen Hand ein Senfkörnlein, eine winzig kleine Perle – zu fühlen, aber nicht zu be-greifen...
„Das Himmelreich ... ist gleich einem Senfkorn“, sagt Jesus in einem Gleichnis ... „kleiner als alle anderen Samenarten. Wenn es aber herangewachsen ist, so ist es größer als die Gartengewächse und wird ein Baum.“ – Das winzige Senfkorn in der Hand; wir spüren, wie behutsam wir sein müssen, um es nicht zu verlieren – ähnlich wie alles Feine und Schöne, das zerbrechlich und leicht zu zerstören ist.
Am Anfang klein und unscheinbar – und dann, wenn sich in fruchtbarer Erde Leben in ihm entfaltet, wächst aus dem winzigen Samenkorn die größte aller Gartenstauden, „so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.“
Das Senfkorn in der Hand, man fühlt fast nichts – und doch ist es wirklich. Wenn wir es in uns aufgehen lassen, dann sind wir wie ein Baum, der blüht und wächst von Jahr zu Jahr, den Menschen und dem Himmel nah.
(Manfred Reichgeld 20.09.11)
Zerbrechlich und leicht zu zerstören
In faszinierenden Bildern erzählt das Märchen „Die Seele des Wals“ von einer „inneren Mitte“, die nicht angetastet werden darf, wenn nicht zugleich das neu gewonnene Glück zweier Menschen zerstört werden soll: Als dann der Mann aus bloßer Neugier die brennende Lampe berührt, wandelt sich das schöne, helle Haus in Blut und Finsternis. Er wusste nicht, dass das Feine und Schöne auch zerbrechlich, vergänglich und leicht zu vernichten ist, denn er selbst war dumm und von zähem Leben.
„Du darfst niemals meine Lampe anrühren“, hatte die Frau gesagt und damit das Geheimnis des eigenen und ihres Mannes Lebensglücks beschrieben. Die Lampe steht hier für die Tabuzonen in menschlichen Beziehungen, die wir nicht ohne Schaden oder Verlust berühren dürfen. Die Geschichte endet: „Er sprach gar nicht davon, dass er etwas Feines und Schönes zerstört hatte; er prahlte nur überheblich. Und er wurde ein großer Mann unter den Menschen.“
Ähnlich erzählt auch das „Märchen vom Korb mit den wunderbaren Sachen“ von einer „sensiblen Mitte“, von zerbrochenem Glück und leichtfertig zerstörter Liebe: „Niemals darfst du in diesen Korb schauen“, hatte die Frau zu ihrem Mann gesagt, „und wenn du es doch tust, wird uns großes Unglück treffen.“ – Ist dies nicht auch das Motiv der Sündenfallerzählung im Alten Testament?
Manfred Reichgeld (30.08.11)
Die eigene Mitte finden
In nicht wenigen Texten des Neuen Testaments, in denen Jesus zu den Menschen spricht, meint er zuerst nicht die „Menge der Leute“, die, die dabei sind, sondern den Einzelnen, von dem er angesprochen wird: „Herr, ich möchte wieder sehen können!“ (Mk 10, 46-52). Den, der sich voller Hoffnung und Vertrauen Jesus zuwendet, nimmt er bei der Hand und führt ihn zu sich selbst: „Dein Glaube hat dir geholfen. Und der, der sogleich sehen konnte, folgte ihm auf dem Weg.“
In Joh 8, 2-11 sagt Jesus zu der Frau, die die Pharisäer und Schriftgelehrten zu ihm brachten: „Ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Jesus weigert sich, von Gott so zu sprechen wie die Gesetzeslehrer. Er beschreibt und nennt nicht Gesetze und Verbote, die sagen, was wir tun sollen, vielmehr gibt er uns in seinem Reden und Tun die Kraft, allen Verformungen auszuweichen und sein zu dürfen, was sich in uns selbst und auf ein Du und ein Wir hin entfaltet.
„Zur Freiheit seid ihr berufen... Lasst euch nicht wieder unter das knechtische Joch fangen“ (Gal 5,1 und 13). Nicht anders als in Freiheit entdecken wir den göttlichen Reichtum, der in uns liegt... wir „verstehen“ die unsagbaren Sprachen zwischen Himmel und Erde und die Bilder in uns, die unsere Seele weit machen. Nur so ist es möglich, die eigene Mitte zu finden, selber zu sein und dem gemäß zu leben.
Manfred Reichgeld (11.08.11)
Menschenfischer werden
(zu Lk 5, 1-11)
Herr Jesus Christus,
dein Netz will ich auswerfen
dieses Netz deiner grenzenlosen Liebe,
die nichts erwartet und keine Bedingungen stellt,
dieser Liebe, die nicht endet
vor den Türen der Hoffnungslosen
und Verzweifelten,
und auch nicht
vor den Mauern festgefahrener Denkweisen
und sorgfältig aufgestapelter Vorurteile.
Dein Netz will ich auswerfen,
dieses Netz deines unerschütterlichen Vertrauens,
das Mut macht
immer wieder aufzubrechen,
das Undenkbare zu erproben,
das Aussichtslose zu wagen
und ungewohnte Wege zu gehen,
dieses Vertrauens,
das so ansteckend ist
und in ein Leben in Fülle führt.
Dein Netz will ich auswerfen,
dieses Netz deiner gütigen Barmherzigkeit,
die sich der Schwachen annimmt
und die Kleinen in die Mitte stellt,
die den Ausgestoßenen Geborgenheit
und den Kranken Heilung schenkt,
dieser Barmherzigkeit,
die den Schuldigen nicht verachtet
und immer wieder von neuem
zur Vergebung bereit ist.
Dein Netz will ich auswerfen,
dieses Netz deiner wahren Gerechtigkeit,
die nicht selbstgerecht urteilt und verurteilt,
sondern aufrichtet
und zur Aufrichtigkeit ermutigt,
dieser Gerechtigkeit,
die aller Dunkelheit ein Ende bereitet,
weil sie alles in einem neuen Licht betrachtet,
im Licht deiner göttlichen Liebe und Güte,
das deinen Frieden zum Blühen bringt.
Herr, ich danke dir,
dass du mir deine Netze anvertraust
und mich für dich
zum Menschenfischer werden lässt.
Hannelore Bares (20.06.11)
Wer der Erste sein will ...
„Wer unter euch der Erste sein will, der sei der Letzte von euch und der Diener aller“ (Mk 9,35; 10,43 f.). Das ist die ganz andere Perspektive, die Jesus den Menschen seiner Zeit und uns anbietet. Nicht „nach oben“ ist zu schauen..., um diesem oder jenem Anspruch zu genügen. Es ist umgekehrt: Der Ruf um Hilfe, der aus dem Munde der Ohnmächtigen kommt, ausgesprochen oder auch unausgesprochen, gibt die Richtung des Handelns vor.
Das ist keine ferne, unerreichbare Vision, wohl aber eine eigene Erfahrung, die uns – so umgewertet – eher fremd als wirklich anmutet. Jesus selber handelte so, indem er die am meisten Verachteten, die Zöllner und die, die am Rand standen, einlud und sich gemeinsam mit ihnen an einen Tisch setzte. Dass dies den sich „auf Recht und Ordnung“ berufenden Pharisäern und Schriftgelehrten nicht gefiel, wissen wir aus nicht wenigen Texten des Neuen Testaments. – Denken wir anders?
Die vor genannten Worte Jesu von den „Ersten“ und den „Letzten“ benennen sehr viel mehr als nur ein „karitatives Wohlmeinen“, den Armen zu helfen und sich für sie einzusetzen. In allem hat Jesus zuerst die göttliche Würde des einzelnen Menschen im Blick, seine Freiheit und seine Unabhängigkeit gegenüber dem, was uns bedrängt und einzuengen vermag.
Manfred Reichgeld (25.05.11)
Ein neuer Anfang
Stellen wir uns nur einen Augenblick das Unvorstellbare vor: Es sei da kein Gott... Was bliebe? Allein die Gegenwart, die keine Zukunft kennt, ein unbestimmtes Gewesensein und ein ständiges Zu-Grunde-Gehen – ohne Ziel und ohne Wahrheit, eine ewige Wiederholung des Gleichen...
Der Gott des Lebens und der Liebe, an den wir glauben, ist die Zukunft selbst. In Christus wird seine Zusage an uns sichtbar: „Seht, ich mache alles neu“ (Offb 21,5). „Ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Offb 21,1). „Neu“ ist das Ur-Wort in den Schriften der Bibel, das uns das ganz Andere und für immer Bleibende verheißt.
Offb 3,12 spricht von einem neuen Jerusalem, Lk 27,20 vom neuen Bund, Röm 6,4 von neuem Leben, Röm 7,6 vom neuen Geist, 2 Kor 5,17 von der neuen Schöpfung, Kol 3,12 vom neuen Menschen... In Jes 43,18f lesen wir: „Seht, ich tue Neues; schon sprosst es. Merkt ihr es nicht? Ja, ich mache durch die Wüste einen Weg, in der Einöde Ströme.“
Darin besteht unsere Hoffnung über den Tag hinaus: In der Wüste einen Weg zu finden und in der Dunkelheit das Licht. – Die Wahrheit, der wir entgegengehen, glauben wir nicht als eine Verlängerung dessen, was ist, sondern als das unbegreiflich „Neue“, das sich in der Liebe Gottes für immer vollendet.
Manfred Reichgeld (02.05.11)
Einzig die Liebe...
Amor est magis cognitivus
quam cognitivo -
Die Liebe ist weit erkenntiskräftiger
als die Erkenntnis (selbst).
Umberto Eco
Intuitiv gefühlt und ebenso verwirklicht, erhebt uns die Liebe über alles Hinfällige und Zerbrechliche; sie verbindet uns mit dem Grund und dem Ursprung unseres Seins – mit dem Gott des Lebens und der Liebe.
Was uns einengt oder belastend vor uns liegen mag, überwindet die Liebe; sie besitzt die Kraft, alles neu zu machen, zu heilen, umzukehren und zu verstärken, ..., zu (er)tragen, wozu wir von uns selbst her niemals imstande wären.
Einzig die Liebe lässt uns ahnen und darauf vertrauen, dass sich hinter allen Grenzen Licht und Weite auftun und wir (innerlich) sehen, was für unsere Augen unsichtbar bleibt. – Haben wir es vermocht, in der Liebe zu wachsen und weiterzugeben, was wir selbst an Zuneigung und Güte erfahren haben? In dieser Frage liegt der wirkliche Maßstab unseres Lebens.
Wenn wir die Liebe als unsere innere Wahrheit spüren und entsprechend handeln, ohne weitere Absicht und ohne geplant oder berechnend zu sein, dann sind wir Gott und den Menschen nah.
Manfred Reichgeld (24.03.11)
Gott allein genügt
Nichts soll dich ängstigen,
Nichts dich erschrecken,
Alles vergeht,
Gott ändert sich nicht.
Die Geduld erreicht alles,
Wer sich an Gott hält,
Dem fehlt nichts –
Gott allein genügt.
(Teresa von Avila)
„Sich an Gott halten“ – damit meinen wir, für wahr halten, dass Gott ist und dass er ein Gott der Menschen ist. In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir (angenommen).
Angesichts des Bösen in der Welt und in Trauer und Leid ist es nicht immer leicht zu glauben – und doch besteht darin die einzige Hoffnung, dass am Ende die Liebe (das Gute) nicht umsonst ist. – Gott für wahr halten, heißt auch, eine Antwort finden, wenn es um uns selbst geht, um den Sinn unseres Lebens und um den Sinn der Welt um uns.
Mit unserem Ja zu Gott sind wir wie Abraham auf dem Weg und können dabei nicht auf das Sichtbare und Verfügbare vertrauen, sondern allein auf die (glaubend erfahrene) Zusage Gottes: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.
Soll unser Leben nicht letztlich sinnlos und absurd sein, dann nur, wenn unsere Hoffnung auf Gott einer zugleich greifbaren und unbegreiflichen Wirklichkeit entspricht. An diese Wirklichkeit Gottes glauben wir.
Manfred Reichgeld (02.03.2011)
Zur Wahrheit berufen
Als Jesus in Galiläa und Jerusalem die Ausgegrenzten und Chancenlosen an seinen Tisch einlud, war dies für viele ein Ärgernis und widersprach dem, was „Gesetz und Ordnung“ damals wider die Freiheit des Einzelnen und wider die Güte setzten.
Gegen alle Zweifel und alle Angst, schuldig zu werden vor Gott, stellte Jesus das Vertrauen: Ihr seid vorbehaltlos angenommen und ohne euer Dazutun geliebt. In Freiheit und in der Wahrheit zu leben, dazu seid ihr berufen – und darin dem Himmel nah. Nur ihr selbst könnt euch von dieser Nähe zu Gott (und den Menschen) entfernen und ausschließen, indem ihr nicht die Wahrheit und die Liebe sucht.
„Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus in Mk 5,34. „Glaube“ meint das heilende und alles verändernde Vertrauen, den „Gang über das Wasser“ (Mt 14,25), Mut haben und aufbrechen, sich selbst annehmen und nicht verzagt zurückbleiben.
Die Botschaft Jesu ist die unüberbietbare „Vision des Lebens“, die alle Zeit und allen Raum überdauert. – Von dieser Hoffnung und in diesem Vertrauen leben wir.
Manfred Reichgeld (07. 02. 11)
Ewigkeit
Ewigkeit ... ewig ... Damit meinen wir das, was zeitlich nicht begrenzt ist, was weder Anfang noch Ende hat, das ganz Andere, der „nur Gott eignende Zusammenbesitz des Seins“.
„Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“, sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Das ist nicht eine Rede unter anderen, vielmehr formulieren wir darin unsere alles umfassende Hoffnung in die Zusage Gottes: „Dort, wo ich bin, da werdet auch ihr sein.“
In seinem Gedicht „Tiefseemuschel“ verbindet Günter Kunert in einer sehr schönen Weise die beiden Begriffe „Schöpfung“ und „Ewigkeit“ – nicht erklärend, sondern fragend und suchend und mit dem Blick nach innen:
Tiefseemuschel
Bewundernd musterst du, was Leben
aus Kalk und ohne Vorbild schafft.
Was steckt dahinter? Welches Streben?
Das ist die Hülle: Wo die Kraft?
Beliebt: Solch Stück ans Ohr zu halten.
Man hört nur rauschen. Doch du bist bereit
beim Lauschen eine Ahnung zu entfalten:
So und nicht anders klänge Ewigkeit.
Manfred Reichgeld (18.01.2011)
Schöpfung
Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Das ist keine Aussage, die dem, was wir Evolution nennen, entgegen steht. Was wir heute über die Anfänge des Universums wissen, ist von anderer Art, als dass es etwas beweisen oder ausschließen könnte.
Wenn wir „Gott“ sagen, vertrauen wir damit auf den Schöpfer allen Lebens, auf eine Wirklichkeit, die für uns letztlich unbegreiflich ist – zugleich nah und fern. Anders formuliert: Der Grund für das Sein des Menschen ist die über den Tod hinausreichende schöpferische Liebe Gottes, die alle Grenzen überschreitet und nicht gedacht werden kann in Zeit und Raum, ...der wir uns zu nähern suchen, wenn wir von Gott als der „ewigen Liebe“ oder dem „Licht in der Finsternis“ sprechen.
Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Er begegnet uns in jedem einzelnen Menschen. Für den Glaubenden ist dies eine Erfahrung, die ihn dankbar stimmt und ihm hilft zu leben – trotz allem Leid und aller Vergänglichkeit, die uns umgibt.
Manfred Reichgeld (21. 12. 10)
Es werde Licht
„Es werde Licht. Und es ward Licht.“ Diese Bildworte aus dem Buch Genesis benennen den „Anfang“: Gott als die erleuchtende, wärmende und heilende Kraft, der zeitlose und überzeitliche Urgrund allen Seins, unendlich und unermesslich zugleich – „initium und principium“ allen Lebens.
„Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Jo 1,5). Wir nähern uns ein wenig diesem Geheimnis, wenn wir die Metapher zuerst in ihrer poetischen Kraft betrachten – etwa wie Ingeborg Bachmann in ihrem Gedicht „An die Sonne“:
„Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne. (...)
Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt,
dass ich wieder sehe und dass ich dich wiederseh!
Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein...“
Wenn wir so von der Sonne sprechen können, welche Worte finden wir, um zu sagen: „An den Gott des Lebens und der Liebe“?
Manfred Reichgeld (23. 11. 10)
Über den Tag hinaus
Wenn uns in den unterschiedlichen Situationen des Lebens die Härte der äußeren Wirklichkeit trifft - Kälte, Dunkelheit und verlorene Hoffnungen - redet Gott am deutlichsten in uns (in unserem Herzen).
Die Sehnsucht des Menschen nach der Zeit und dem Raum hinter allen Grenzen und die unbedingte Hoffnung darauf lässt uns die verborgenen Sprachen zwischen Himmel und Erde mehr und mehr verstehen und die Wirklichkeit in und um uns mit anderen Augen sehen. Diese Sehnsucht nach dem Unendlichen trägt nichts Unwirkliches in sich und nichts, was unserer Natur und göttlichen Bestimmung entgegen stünde.
Wie die Schwalben im frühen Herbst die Sehnsucht nach der grenzenlosen Weite der Meere und Berge überkommt, vermag uns der Blick über den Tag hinaus auf einen neuen Weg zu bringen, auf dem sich Dunkelheit und Kälte wandeln in Licht und Wärme.
„Wandeln“ meint nicht, dass Gefahren und Hindernisse auf unseren Wegen wie von selbst verschwinden, „wandeln“ meint, vor Hindernissen nicht stehen bleiben, mutiger zu hoffen wagen, mehr vertrauen und gemeinsam unterwegs sein. – Der Weg, den wir gehen, ist wichtig.
Ein Ziel ohne eigenen Weg gehört uns nicht.
Manfred Reichgeld (25. 10. 10)
Sprache finden
Wir reden über Gott und die Welt, über die Liebe und den Tod... Und doch bleibt eine letzte Distanz, wenn es uns nicht gelingt, eine Sprache zu finden, die uns etwas von der Wirklichkeit (Gottes) verständlicher erschließt, als dies alle noch so richtigen „theologischen Sätze über Gott“ vermögen.
Wir kommen einem Menschen nicht dadurch nahe, indem wir „über“ ihn reden, sondern darin, dass wir uns ihm im Gespräch nach und nach nähern und öffnen und in einen wechselseitigen Dialog treten. So hilft es in einer gestörten Beziehung zwischen zwei Menschen nicht, Sätze „über die Liebe“ auszusprechen, sondern Worte zu finden, die Liebe und Vertrauen wieder möglich machen. Ein solches Reden meint nicht: erklären, definieren, abgrenzen, benennen, festlegen, ... sondern: hören, fragen, suchen, aufeinander eingehen, ...
Für unser Reden/Sprechen mit Gott finden wir in der Bibel (wie nirgends sonst) eine solche Sprache, „die Tränen versiegen lässt, Luft zum Atmen gibt und Mut, um wieder aufzustehen“: Für den Hoffnung Suchenden in den prophetischen und apokalyptischen Visionen, für den Glücklichen in den Lobpsalmen und im Hohen Lied, für den Geängstigten bei Jeremia und Hiob...
Manfred Reichgeld (15. 10. 10)
Zur Freiheit berufen
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen“ (Gal 5, 1). Was Jesus meint, ist eine „innere Freiheit“ wider alle Angst und wider die Verstellungen des Lebens. Wenn es uns immer mehr gelingt, Geborgenheit und Zuversicht zu suchen – statt umgekehrt zu leben -, nähern wir uns dem, wie es unserer göttlichen Natur entspricht.
Die Wunderheilungen im Neuen Testament beschreiben diesen Weg: Der blinde Bartimäus (Mk 10, 46-52) erkennt seinen eigenen Willen und vertraut wider alle Hoffnungslosigkeit und Angst dem, was er mit eigenen Augen sieht... „Geh! Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus. Das ist die Freiheit, zu der wir berufen sind.
Dem Wort Jesu zufolge entsteht „innere Freiheit“ zuerst dadurch, dass wir dem wahren Bild unseres Selbst nachgehen und der ewigen Liebe vertrauen, die uns ins Dasein rief. Wir müssen dabei keine Sorge haben, in unserem Leben alles nur richtig machen zu müssen. Wer dies will, macht niemals etwas richtig, weil er wie gelähmt vor dem steht, was zu tun ist.
Manfred Reichgeld (17. 09. 10)
Wahrheit und Liebe
Auf der Suche nach Worten, die annähernd beschreiben, „was Gott ist“, kommt uns zuerst der Begriff „Liebe“ in den Sinn: Gott ist die Liebe. In dem für menschliches Denken und Fühlen unüberbietbaren Begriff der Liebe verstehen wir den absoluten Bezugspunkt unserer Sehnsucht und unserer Suche nach letztem Sinn – über alles Einengende hinaus und jenseits aller Grenzen.
Der Glaube an die Liebe, die Liebe selbst, kann nicht ohne eine Person, die sie sucht und zu dieser Liebe imstande wäre, gedacht werden. Gott ist der absolute Bezugspunkt aller Liebe (und aller Wahrheit), der „personale (Ur-)Grund“ eines Vertrauens, das uns selbst die Fähigkeit schenkt zu lieben – weil wir zuvor vorbehaltlos gewollt und gemeint sind.
Wahrheit und Liebe gehören zusammen. Was wäre die Liebe ohne die Wahrheit und Wahrheit ohne Liebe? 1 Kor 13,2 ist ganz wörtlich zu verstehen: „Wüsste ich alle Geheimnisse und besäße ich alle Erkenntnis, doch hätte ich die Liebe nicht, wäre ich ein Nichts.“
Manfred Reichgeld (19.08.10)
Neue Hoffnung finden
Jesus hat den Menschen seiner Zeit (und jeder Zeit) einen Gott nahe bringen wollen, der alle Schuld vergibt, der von aller Angst und allen Zweifeln befreit und uns anbietet, in gleicher Weise einander zu begegnen – vorbehaltlos und in unbedingtem Vertrauen.
Das ist sozusagen der Weg zurück an den Ort, den die Sprache der Bibel das „Paradies“ nennt, wo alle Widersprüche und Abhängigkeiten aufgehoben sind und wo die Liebe den Hass überwindet und das Licht die Finsternis.
Es ereignete sich immer wieder, dass Menschen in der Nähe Jesu Vertrauen und neue Hoffnung fanden: Der Blinde, der heil wurde an Leib und Seele, und die Vielen, die auf Jesu Wort hin lernten, durch die Dunkelheit hindurch mehr an die Sterne zu glauben als an die Nacht.
Jesus wollte Angst und Hoffnungslosigkeit nicht gelten lassen, nicht die Einsamkeit und nicht das, was Menschen einengt und niederdrückt. Er redete dagegen, indem er davon sprach, dass Gott uns in allem vorbehaltlos und ohne unser Dazutun liebt – und dass wir nicht allein sind auf unserem Weg durch die Zeit.
Manfred Reichgeld (20.06.10)
In der Liebe wachsen
Zu allen Zeiten haben sich Menschen gefragt: Wie kann ich am besten Gott dienen? Welcher Weg ist der richtige und wie gehe ich mit den Hindernissen um, die sich mir in den Weg stellen? Entfernen wir uns nicht in dem Maße von Gott, wie wir uns im täglichen Leben in Familie und Beruf dem Kind, der Frau, dem Bruder, der Mutter, ..., uns selbst zuwenden?
Es gibt eine sehr schöne und durch die Rede und das Tun Jesu bezeugte Antwort auf diese Fragen: Stellen wir uns einen in den Sand gemalten Kreis vor: Die Mitte ist Gott, die Kreislinie die Welt. Dort leben die Menschen. Wollen sie Gott näher kommen, müssen sie in das Innere des Kreises gehen. Und sie erfahren: Je näher sie Gott kommen, desto näher rücken sie zusammen, und je näher sie einander kommen, desto näher sind sie bei Gott.
Vor Gott zählt allein die Art der Menschlichkeit, die Blinde sehen und Lahme gehen lässt (Jes 35, 5.6) – es zählt, ob wir handeln, statt reden, andere mitnehmen und teilen, ob es uns gelingt, die leeren Worte mit Leben zu füllen und in der Liebe zu wachsen.
Manfred Reichgeld (31. Mai 2010)
Vertrauen
So wie das Kind Mutter und Vater vertraut und in ihrer Zuneigung und Liebe den wichtigsten Halt erlebt, so erfahren wir allein in der Haltung des Vertrauens mehr und mehr Zuversicht und eigene Freiheit. Umgekehrt: Ohne Vertrauen würde sich alles in und um uns in nicht endende Angst und Hoffnungslosigkeit verwandeln.
Auf der Suche nach dem (Ur-)Grund unseres Vertrauens finden wir in der Botschaft Jesu den Halt, der uns „über Berge und Täler“ trägt, den Sinn allen Lebens, den Grund unserer Hoffnung, den Jesus Gott nennt und den er als seinen und unseren Vater bezeichnet.
Gott, den Urgrund allen Vertrauens, finden... verändert: durchbricht den Zwang, alles richtig machen zu müssen, anerkannt zu werden und in scheinbarer Sicherheit zu wissen, wo es langgeht... „Gott vertrauen“ bringt uns gleichsam vor uns selbst und befreit von den Krämpfen und Vergeblichkeiten, die uns lähmen.
Das Bedürfnis nach absoluter Sicherheit scheint dem Denken und Empfinden des Menschen wesenseigen zu sein. Ohne sie je (ganz) zu erreichen: am nächsten kommen wir dieser Sicherheit/Sehnsucht, wenn wir dem Grund unseres Seins vertrauen - dem Gott des Lebens und der Liebe.
Manfred Reichgeld (17. Mai 2010)
Sehnsucht
Exupéry erzählt, wie an einem Herbsttag eine Gruppe von Hausgänsen, die niemals etwas anderes in ihrem Leben gesehen haben als ihren Stall, den Fresstrog und den Weg zum Weiher, über sich eine Kette von Wildgänsen sehen. In diesem Moment begibt sich etwas Wunderbares: die Tiere beginnen, mit den Flügeln zu schlagen, so als wollten sie es ihren frei lebenden Artgenossen gleichtun. In ihren kleinen Köpfen erwacht für einen Augenblick das Bild von Wäldern, Gebirgen, Meeren – und die Sehnsucht, unendlich ins Weite zu fliegen nach geheimen Bahnen und Routen zurück in das Land der Heimat, aus dem sie gekommen sind.
Es ist nur eine Frage der Fantasie, diese kleine Geschichte von den Gänsen auf menschliches Leben zu übertragen – wenn wir von Freiheit, Träumen und Visionen sprechen und von dem, was wir glaubend und hoffend jenseits von Raum und Zeit erwarten. - Jesus sagt: Zur Freiheit seid ihr berufen. Lasst euch nicht wieder unter das knechtische Jochen fangen. Geht dem wahren Bild eures Selbst nach und vertraut der ewigen Liebe, die euch ins Dasein rief und diesen Ruf niemals mehr zurücknimmt. Ihr seid auf dem Weg in das „Land der Heimat“, in das ich vorausgegangen bin und in dem auch ihr sein werdet.
Manfred Reichgeld(26.04.10)
Türen öffnen
Im Johannes-Evangelium (10,1-10) sagt Jesus: „Ich bin die Tür. Wer durch diese Tür zu den Schafen geht, der ist der Hirt der Schafe.“
Es gibt viele Türen und Tore, durch die wir in unserem Leben gehen: Zimmertüren, Haustüren, Kirchenportale – Türen, die sich schwer öffnen lassen und höher und größer sind als andere. – Durch die Haustür gehen wir ein und aus. Da ist der Tisch gedeckt... Hier stand unsere Kinderwiege... Hierhin kehren wir immer wieder zurück. Wir können Türen verschließen und zuschlagen, aber auch aufstoßen und offen halten... Türen bieten Schutz und Ruhe, verwehren den fremden Blick, und manchmal wollen sie auch erzwungen werden – wie in den Märchen unserer Kindertage.
In Joh 10,10 sagt Jesus: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Diese Einladung, nicht „draußen vor der Tür“ zu bleiben, gibt uns gleichsam den Schlüssel in die Hand, den Weg gelingenden Lebens zu finden und nicht zuletzt vor verschlossenen Türen zu stehen. Wenn es uns Mal um Mal gelingt, in der Liebe zu wachsen, öffnen sich die Türen zu uns selbst und zu den Menschen.
Jesus ist die Tür, die uns auf den Weg bringt. Ihm vertrauen wir, wenn er uns anbietet: Wer durch mich hineingeht, findet die Wahrheit und das Leben.
Manfred Reichgeld (09.04.10)
Der persönliche Gott
Wenn man gelegentlich hört: Wir alle glauben doch an den selben Gott, so ist dies nicht (ganz) zutreffend. Es ist ein Unterschied, sich Gott als ein unbestimmtes, unbekanntes, verschlossenes, stummes, unzugängliches „Es“ vorzustellen, oder, wie es im christlichen Glauben geschieht, von einem „persönlichen Gott“ zu sprechen.
Zur Person des Menschen gehören Freiheit, Selbstsein, „Ich“-sagen-Können, Geist, Liebe, ... Gott kann nicht unter diesem Niveau des Menschen gedacht werden, er ist „nicht weniger Person als wir, er ist Person in einem unendlich höheren Maße“ (W. Kasper).
Wenn sich Menschen (als Person) mitteilen, bekunden, offenbaren, ... so geschieht dies nicht um ihrer selbst willen, sondern immer auf ein Du orientiert und mit der Absicht, durch andere Menschen angenommen zu werden. Dieses Annehmen nennen wir „Glaube“. Ich glaube dir, ich glaube an dich, an das, was du (mir) sagst und mitteilst... Dieser Glaube ist etwas zutiefst Menschliches, ohne den ein Zusammenleben gar nicht möglich wäre...
Daraus ergibt sich: Der menschliche Glaube an die Offenbarung Gottes ist nicht etwas Unwirkliches, sondern entspricht geradezu unserer (täglichen) Erfahrung. – „Ich glaube dir nicht, ich glaube dir nichts, ...“ dagegen ist eine Geringschätzung der Person, eine nicht überbietbare Absage und Distanz, die in allem der menschlichen Natur entgegen steht – vor allem dem, was wir Liebe nennen.
Manfred Reichgeld (19. 03. 2010)
Erklärungen
Wie begann alles... und wie war es am Anfang? Wer kennt diese Fragen nicht und nicht die unterschiedlichen Antworten? Glaube und Wissenschaft bieten je andere Perspektiven in ihrem Blick auf die Wirklichkeit, ohne dass wir uns zugleich für das eine und gegen das andere entscheiden müssten.
Wir glauben, dass das, was uns unzugänglich bleibt und rätselhaft erscheinen mag, die belebte und die unbelebte Welt um uns, nicht zufällig entstanden ist. Der Gott, an den wir glauben, ist der Schöpfer des Himmels und der Erde, der nie endende Anfang allen Lebens, Alpha und Omega.
In der „Physik des Lichts“ kennen wir zwei sich (scheinbar) gegenseitig ausschließende Erklärungsmodelle: das Wellen- und das Teilchenmodell. Beide Eigenschaften – das Licht als Teilchen und das Licht als Welle – sind je spezifisch nachzuweisen, und mit ihnen können je spezifische Phänomene des Lichts erklärt werden, die das andere Modell nicht erklären kann. – Ist das nicht ein „kleiner Hinweis“, dass (zugleich) viel mehr wahr und wirklich ist als allein das, was wir mit unseren Augen sehen und mit den Händen fassen können?
Deum credere – glauben, dass ER Gott ist ... der Gott der Liebe und der Urgrund allen Seins. Das kann die Wissenschaft nicht erklären – und doch ist es wahr und wirklich.
Manfred Reichgeld (01. März 2010)
Auf dem Weg – wohin?
Wir glauben, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen und wie sie geworden ist, den zureichenden Grund nicht in sich selbst hat, sondern auf einen tieferen Grund verweist, der aus sich lebt und existiert: Gott.
Als Menschen sind wir in allem endliche Wesen – bedroht, abhängig und zuletzt unausweichlich dem Tod verfallen. Zugleich meldet sich in uns die Sehnsucht und die Hoffnung nach dem Unbedingten und dem Absoluten, nach dem Licht in der Finsternis – wie es die Bibel nennt. Wenn wir je und dann entdecken, wie in einem geliebten Menschen alles neu werden kann, ahnen wir, wohin wir glaubend und hoffend unterwegs sind.
Allein in Gottes unbegreifliche Wirklichkeit ist ein unbedingtes Vertrauen in den Sinn des Lebens möglich. Er ist die Antwort auf unsere Nöte und Ängste und die Ungesichertheit unsers Daseins, wenn sich zuletzt unausweichlich die Frage stellt: Wer bin ich; wo finde ich Sinn und Halt?
Am deutlichsten hat der Gott, an den wir glauben, sein inneres Geheimnis offenbart in und durch Jesus, den er nicht im Tod belässt und dem wir vertrauen, wenn er uns auf seinen Weg einlädt: „Wo ich bin, da werdet auch ihr sein.“
Manfred Reichgeld (17. Febr. 2010)
Allein die Liebe
Es sind die Augenblicke des Ergriffenseins, die ein Leben bestimmen. Er gibt das Ergriffensein durch den Schmerz, durch das Schöne, ..., durch die Liebe. Aus den Märchen unserer Kindertage wissen wir, dass einzig die Liebe die Kraft besitzt, glücklich und frei zu machen. Sie vermag uns über Berge und Meere zu tragen „in ein jenseitiges Land voller Zauber und Träume“.
In seinem 1. Brief an die Korinther schreibt der Apostel Paulus: „Die Liebe ist langmütig, gütig, nicht eifersüchtig, sie ist nicht unanständig und sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, übersteht alles. Die Liebe hört nie auf...“ (1 Kor 13,4-7).
Die Liebe als der Grund und der Ursprung allen Seins lässt uns leben. Sie ist die Kraftquelle, die uns durchfließt und uns zu dem erhebt, wozu wir selbst niemals imstande wären. Und doch ist die Liebe unendlich mehr als nur eine Kraft. In und über allem steht jemand, der auf uns mit jener unüberbietbaren Energie zu wirken vermag, die wir „Liebe“ nennen: Gott. Diese Liebe trägt uns über Berge und Meere und zuletzt in ein jenseitiges Land voller Zauber und (dann erfüllter) Träume.
„Wüsste ich alle Geheimnisse und besäße ich alle Erkenntnis, doch hätte ich die Liebe nicht, wäre ich ein Nichts“ (1 Kor 13,2).
Manfred Reichgeld (27. Januar 2010)
