St. Michael in Merl

Das Minoritenkloster und die heutige Pfarrkirche
Seit dem Jahre 1294 befindet sich in Merl ein Minoritenkloster, dessen Vorsteher Guardian genannt wird. Nach der Überlieferung hatten die Sponheimer an dieser Stelle ein Jagdschloß stehen, das sie den Minoriten vermachten, die es um 1290 in ein Kloster mit Kirche umbauten. Der Dachstuhl hier ist heute einer der ältesten noch im Ursprung erhaltenen Dachstühle Deutschlands. Eine Parallele findet sich auf der Insel Reichenau aus dem Jahre 1235. Datiert wird das Merler Dormitorium, durch vier Holzproben nachgewiesen, auf 1293/4. Umbauten erfolgten in den Jahren 1325, zu Beginn des 15 Jahrhunderts und 1726. Dabei blieb das Dachwerk bis heute unverändert erhalten.
Die Klosterbrüder unterhielten hier bis zur Aufhebung in der Franzosenzeit eine vielbesuchte fünfklassige Lateinschule und erfreuten sich, wie dies aus den zahlreichen Stiftungen hervorgeht, der Gunst des Adels im Zeller Raum, namentlich der Vögte v. Hunolstein, der Wildgrafen v. Kirburg, der Grafen von Sponheim, der Stetzgis v. Treis, der Mohr v. Walde, der Waldecker v. Kaimt, derer v. Kellenbach, v. Daun u.v.a. Diese Lateinschule war seit dem hohen Mittelalter bis 1804 eine wichtige Pflanzstätte christlich-humanistischen Geistes an der Mosel. Bedeutende Beamte der Landesherrschaft, Äbte, Kanzelredner und Professoren haben hier ihre grundlegende Ausbildung erfahren. So besuchten diese Schule z.B. der spätere Weihbischof Nikolaus Schinnen, der 1490 in Zell geboren ist, und der spätere Ehrendomherr Johann Adam Schneck, 1755 in Zell geboren. Letzterer war hier 50 Jahre Kaplan, Pastor und Dechant, dessen Portrait heute noch im Zeller Pfarrhaus hängt. Ein weiterer bedeutender Schüler war Michael Waldecker v. Kaimt, im Jahre 1455 in Kaimt geboren. Er wurde später kurfürstlicher Haushofmeister und nahm 1504 in Vertretung des Erzbischofs die Huldigung der im Erzbistum lebenden Untertanen entgegen. Seine Tochter Franziska wurde eine der bedeutendsten Äbtissinnen im Benediktinerkloster St. Irminen in Trier. Immerhin 19 Personen können nachgewiesen werden, die hier im Minoritenkloster in Merl die Lateinschule besucht und später eine höhere Stellung erworben haben.
(Texte von Diakon A. Friderichs)
Kreuzwegkapelle in Merl

Kreuzwegkapelle in Merl
Mit dem Bau dieser Kapelle im Jahre 1856 begann auch die Entstehungsgeschichte des Junggesellenvereins in Merl, denn ein Jahr später beschließen die am Kapellenbau beteiligten Männer den Junggesellenverein zu gründen. Der Verein hat die Obhut über diese Kapelle bis heute übernommen.
Jedes Jahr am Palmsonntag und Karfreitag gehen Christen aus den drei Zeller Pfarreien in geistlicher Begleitung den Kreuzweg, der zu dieser Kapelle führt. An diesen Tagen wird die Kapelle von dem jetzigen Merler Küster Leo Müller besonders herausgeputzt.
Rechts neben der Kapelle befindet sich eine kleine Grotte mit der Jesusstatue, die ihre Hände und den Blick flehend gen Himmel richtet und damit an das Gebet im Garten Gethsemane erinnert.
Jesusstatue in der Grotte vor der Weinbergskapelle

Ehemalige Michaelskirche auf dem heutigen Friedhof
Die hoch über dem Ort gelegene Michaelskirche ist seit 1143 als Filiale der Pfarrei Kaimt, später als solche der dem Kloster Springiersbach inkorporierten Pfarrei Zell bezeugt. Erwähnt wird 1481 ein Kreuzaltar mit der Michaelsbruderschaft. Die Abtrennung von Zell und die Erhebung zu einer selbständigen Pfarrei wurde 1792 genehmigt. Die auf dem jetzigen Friedhof gelegene Kirche bestand aus einem schmäleren, ebenso überwölbten Chor. Nachdem zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Klosterkirche zur Pfarrkirche erhoben worden war, wurde die Michaelskirche vernachlässigt und 1823 bis auf den Turm abgebrochen. Der noch stehende Ostturm, nach oben verjüngt, ist durch drei Gurtgesimse gegliedert und mit einfachen Rundbogenfenstern versehen. Er gehört noch dem älteren Typ der romanischen Kirchtürme des Trierer Landes an und stammt aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts. Der das Ortsbild beherrschende Turm ist einer der schönsten romanischen Kirchtürme des Moseltals.
Ein an der Ostseite des Turmes angebrachter Stein aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts (heute in der Pfarrkirche) stellt zweifellos die älteste nachrömische Steinplastik im Kreis Cochem-Zell dar und dürfte eine einzigartige Lösung für das Fenster hinter dem Altarplatz gewesen sein. Er besitzt Kreuzform, ist außen durch ein Tauprofil gerahmt und zeigt in den vier Ecken Reliefs der Evangelistensymbole mit Spruchbändern.